Musik kann die Welt verändern

1 Jul

 

Die Arbeit in meinem Orchester ist vorbei. Am Ende fragt man sich wohl immer, habe ich meine tausend Ideen, meinen Idealismus umgesetzt? Ich habe vieles angefangen, ausprobiert, bin leider oft an mir oder dem kolumbianischen Alltag gescheitert. Es gab immer wieder schwierige Zeiten, in denen ich frustriert und antriebslos war oder Angst hatte, im Dunkeln in Siloé auf den Bus zu warten. Aber letztlich  überwogen die schönen Tage, vor allem in der letzten Zeit. Ich war richtig im Projekt eingearbeitet, konnte Verantwortung übernehmen, kannte alle Kinder und konnte mit den Kindern auch auf musikalischer Ebene kommunizieren. Die Kinder haben mich und ich die Kinder geliebt. Musik kann die Welt verändern. Beethoven hat das schon zur seinen Lebzeiten erkannt, ich in diesem Jahr. Nicht sofort, aber mit der Zeit habe ich gemerkt, was die Musik aus den Kindern macht und ihnen für Kraft gibt. Aus Kindern, die kaum eine Zukunft haben. Aus Kindern, die in Gewalt leben. Ein Kind hat mir erzählt, sein Vater sei Auftragsmörder und wenn er später nichts besseres findet, wird er es auch. Aus Kindern, die normalerweise auf der Straße und vor dem Fernseher rumhängen, Drogen nehmen und verdummen. Doch die Orchesterkinder geben ihre Freizeit auf, um von Montag bis Samstag jeden Nachmittag in das Projekt kommen und bleiben, bis es dunkel wird. Die Kreativität der Kinder wird gefördert, sie sind aufgeweckter, fröhlicher, kritischer und lernen einfach friedlich miteinander umzugehen. Die Kinder bekommen sogar die Möglichkeit, aus dem Slum zu kommen, die Stadt Cali kennenzulernen oder in anderen Städten in Kolumbien zu spielen. 4 Kinder haben sogar ein Stipendium für eine Musikhochschule bekommen und werden vielleicht im nächsten Jahr eine Konzertreise mit dem Orchester de Valle nach Italien machen. Es ist einfach ein großartiges Projekt der Fundacion SIDOC.

Umso trauriger war die letzte Woche. Die Verabschiedung von mir und dem Musikstudenten und Lehrer in dem Projekt Edinson, der selbe aus dem Slum Siloé kommt und ein Stipendium für ein Studium in der USA bekommen hat. Ich habe etwas auf der Gitarre gespielt, Edinson auf der Violine zusammen mit dem Orchester. Zum Schluss schenkten uns die Kinder viele kleine Dankeskarten und andere Kleinigkeiten. Einige Kinder weinten. Und immer die Fragen an mich: Warum gehst du? Was machen wir jetzt ohne dich? Wer gibt uns jetzt noch Klavier und Gitarrenunterricht? Wer ist jetzt noch so geduldig mit uns?


Am letzten Tag haben wir noch einen Verabschiedungsausflug ins Schwimmbad. Es war gleichzeitig der pädagogische Ausflug des Orchesters für den Monat Juni. Jeden Monat gibt es als Belohnung für die Kinder einen Ausflug. Einmal haben wir zum Beispiel Karten für das russische Eiskunstlaufstaatsbalett geschenkt bekommen. Vorher war ich sehr skeptisch, ob mir und vielmehr den Kindern 2 Stunden Ballett taugen könnten, doch es war eine beeindruckende Vorstellung. Die traumatisierten Kinder von Siloé, die nie stillhalten können, schauten dem Spektakel mit offenen Mündern zu. Auch der jetzige Ausflug ins Schwimmbad war sehr schön. Ich spielte den ganzen Tag mit den Kindern Fußball und tobte mit ihnen im Wasser. Und plötzlich  war er vorbei. Mein letzter Tag mit den Kindern.

Ich habe oft am Wochenende gearbeitet, sodass mir eigentlich 2 ½ Monate Urlaub zu stehen. 2 Wochen habe ich dem Orchester geschenkt, den Rest werde ich jetzt durch Kolumbien, Peru und Ecuador reisen, die Kaffeeezone, die Karibik und den Urwald kennenlernen. Ende August kehre ich dann nach Cali zurück, um meinen Entsendeverein Schule fürs Leben bei der finalen Planung und Durchführung des 1. Internationalen Festival des Bambus  auf der Welt zu helfen. Aber zumindestens einen Tag werde ich die Kinder im Orchester besuchen. Ich habe es ihnen versprochen.

ausland.org

1 Jul

Ein Auslandsjahr kann man jedem nur empfehlen. Man lernt mit einem völlig neuen Blick auf die Welt und auch auf Deutschland zu sehen. Eine Möglichkeit dafür sind Freiwilligendienste wie weltwärts, in dessen Rahmen auch ich entsendet worden bin. Das Portal www.ausland.org hat deutschsprachige Blogs auf der ganzen Welt gesammelt, um Auslandsinteressierten ein Einblick in die fremden Ländern zu gewähren oder einfach den Freiwilligen auf der ganzen großen Welt ein Forum für ihre Erlebnisse zu bieten. Denn eines merkt jeder schnell – egal ob Serbien oder Brasilien, jeder kann von spannende und interessante Alltagserfahrungen berichten.

Wer von diesem Portal ebenso begeistert ist wie ich, kann mit ein wenig Werbung machen sogar etwas gewinnen J http://www.weltwaerts-news.de/sonstiges/gewinnspiel-frei-wie-ein-vogel/862/

Siloé auf der Kinoleinwand

24 Mai

Ich bei einem Kurzfilm als Schauspieler, sogar mit kleiner Sprechrolle.

Bevor ich nach Kolumbien gefahren bin, beschränkte sich mein ganzes Wissen über Cali auf einen einzigen Kinofilm, der sogar genau in meinem Arbeitsviertel Siloé spielt: Dr. Alemán. Die Grundlage sind die begeistern Briefe eines Medizinstudenten, der sein praktisches Jahr in Kolumbien absolviert, eigentlich eher aus “Sex, Drugs & Salsa” als aus idealistischen Gründen. Für den Film wurden viele einheimische Schauspieler engagiert, die Menschen aus Siloé waren stolz, dass ein Kinofilm in ihrem Viertel gedreht wurde. Umso größer war die Enttäuschung über den Film. Viele beklagten ein verzerrtes, verharmlostes Bild von Siloé, dass höchstens Siloé tagsüber zeigt. Paradoxerweise würde gleichzeitig jeder Deutsche von einem gewalttätigen, übertriebenen Film sprechen. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass ein typischer kolumbianischer Film mehr Gewalt enthält. Dass es sich letztlich bei Dr. Alemán um einen Spielfilm und keine Dokumentation handelt, dass die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion verschwimmen, ist für die einfachen Menschen aus Siloé schwer zu verstehen. Paradoxerweise war es in einem der gefährlichsten Viertel Cali sicherer, ohne Polizeizeischutz zu drehen, da sie eh nicht in die Favela gelassen wird bzw. dort sehr ungerne gesehen wird. Stattdessen wurde mit den Mächtigen in Siloé gesprochen und ausgerechnet mein Mentor David hat das Filmteam in Siloé letztlich begleitet. Er konnte mir viele Geschichten aus dem Filmalltag erzählen, die wohl leider nicht so einfach preisgeben kann.

Erinnerungen an Dr. Aleman:Ein Graffiti zu Ehren eines Laiendarstellers aus Dr. Aleman. Er war sehr engagiert in einer kostenpflichtigen Musikschule, die neben meinem Projekt ist. Seitdem er erschossen wurde, liegt die Musikschule quasi brach.

Der gelbe Kiosk aus Dr. Aleman

David hat schon lange vor, eine Dokumentation über “Die Auswirkungen von Dr. Alemán auf Siloé“ zu drehen. Ich war sofort begeistert und wollte mithelfen. Er bat uns (ich hatte ein paar deutsche Freiwillige gefragt, ob sie nicht auch Lust hätten), zunächst etwas über die “Diabolos” drehen, als Teufel verkleidete Kinder, die mit Trommeln in der Hand durch die Stadt tanzen. Es ist ein typischer Brauch aus Siloé, 48 der 50 Gruppen in Cali stammen von dort. Leider ging uns die Zeit aus, die “Diabolos” waren nur bis Anfang Januar unterwegs, sodass wir das Projekt nicht beenden konnten. .

Stattdessen startete ein Projekt der Stiftung der öffentlichen Universität de Valle, bei dem Einwohner aus Siloé kleine eigene Dokumentationen über das Viertel drehen sollten. Dazu bin ich mehrere Monate samstage tagsüber in die Filmschule der Universität gegangen. Wir haben viele Dokumentationen gesehen und besprochen, Kamera und Mikrofone auseinandergebaut und praktische Übungen gemacht. Das war schon immer mein, filmen zu lernen. Mein Ziel ist es, eine Dokumentation über das Orchester zu drehen. Doch leider fehlt mir ein wenig die Zeit, hoffentlich schaffe ich es noch.


Oft kommen nach Siloé auch Fernsender, um mit ihren Kamerateams das Orchester zu filmen und Interviews zu führen, gerne auch mich. So bin ich oder war es zu mindestens eine Zeitlang ein kleiner Star in Siloé, überspitzt der einzige Ausländer, der einzige Blonde im ganzen Viertel. Viele kennen mich nun dort auch aus dem Fernsehen. Es sind einfach die verrückten Dinge des Alltags, die das Leben in Kolumbien so liebenswert machen.

Und jetzt gerade habe ich entdeckt, das doch tatsächlich der Hamburger Heimatfilm “Soul kitchen” in Kolumbien anläuft – mein absoluter Lieblingsfilm. verrückt!

Medellin

2 Apr


In Kolumbien werden die Feiertage oft auf den darauffolgenden Montag gelegt, sodass ein langes Wochenende entsteht. An einer solchen „puente“ besuchte ich mit einem Freund einen anderen Weltwärtsfreiwilligen in Medellin. Eigentlich hatte ich mir Busreisen in Kolumbien immer sehr schrecklich vorgestellt. Doch in Kolumbien ist das Busnetz sehr ausgebaut, da es kein Schienennetz gibt und so sind wir in einem bequemen Nachtbus mit Fernseher und Klimaanlage von Cali nach Medellin gefahren. Um Medellin zu verstehen, muss man seine Geschichte kennen. Der „Paisa“ ( der Medillaner) war schon immer ein Geschäftsmann. Man sagt in Kolumbien, gibt es in einem Dorf nur einen Laden, nur einen Jeep, so wird er von einem „Paisa“ betrieben. Alle große Firmen aus Kolumbien stammen letztendlich irgendwie aus Medellin – bis sie leider oft von einem internationalen Unternehmen aufgekauft werden. Aber das ist eine andere Geschichte. Der größte Geschäftsmann und gleichzeitig größte Verbrecher der Stadt war Pablo Escobar. Der Drogenkönig kontrollierte Ende der 80er rund 80 % des Kokainhandels in die USA. Er hatte den Staat hinter ihnen und führte einen grauenvollen Krieg gegen die, die ihn in die USA ausliefern wollten. Nur mit Hilfe der amerikanischen Geheimdienste wurde er 1993 in Medellin erschossen. Pablo Escobar brachte unglaublich viel Geld nach Medellin – und den erbitterten Drogenkrieg in die Armutsviertel der Armen, der bis heute andauert. Medellin liegt in einem schmalen Tal, das Stadtbild ist von den vielen, luxuriösen Hochhäusern geprägt. Die Millionenstadt ist viel ordentlicher, sauberer, geordneter, europäischer als Cali. Hier gibt es viele internationale Touristen und sogar blonde Kolumbianer. Es ist eine der aufstrebenden Metropole Kolumbiens. Gleichzeitig wirkt der „Paisa“ erst einmal unfreundlicher, wir wurden oft ein wenig unfreundlich angestarrt. Aber auch hier gibt es die unvorstellbare Gastfreundschaft. Luz Helena, eine Lehrerin, die uns nur über eine dritte Person kannte, fragte, on wir schon eine Übernachtungsmöglichkeit hätten und als wir verneinten, gab sie uns einfach ihren Haustürschlüssel.

Aus Medellin kommt der weltweit bekannte Künstler Fernando Botero. Seine dickleibigen, schwarzen Figuren stehen auf der ganzen Welt – und auch in Medellin. Sehr bekannt ist der Plaza de Botero, aber auch auf vielen anderen Plätzen findet man die Skulpturen. Mich haben die Friedenstauben auf dem Plaza San Antonio sehr beeindruckt. Die Bronzestatur wurde 1995 bei einem Bombenanschlag in die Luft gesprengt, es starben 23 Menschen. Als Antwort baute Botero dieselbe Statur noch einmal und stellte sie daneben.

In Medellin gibt es die einzige Metro in Kolumbien. Daran angeschlossen ist eine Seilbahn. Sie verbindet die weit auf die Hügel hochgewachsenen Slums mit der Stadt. Es ist eigentlich sehr bemerkenswert, dass hier einmal etwas für die arme Bevölkerung gebaut worden ist. In Cali wird gerade auch eine Seilbahn gebaut – es ist zwar hier ein alter Traum, wird jetzt aber auch wegen der guten Erfahrungen aus Medellin realisiert. Das bedeutet, in einem Jahr könnte ich jeden Morgen mit der Seilbahn zur Arbeit fliegen. Gleichzeitig hat sich die Seilbahn in Medellin zu einer besonderen Touristenattraktion entwickelt. Einerseits hat man einen wunderbaren Ausblick auf die ganze Stadt, vor allem nachts über de Lichter der Stadt, andrerseits hat es schon seinen Reiz, in geringer Höhe über z. B. das vielleicht gefährlichste Viertel Kolumbiens, die Comuna 13, zu fliegen. Das öfters bewaffnete  Banden die Touristen in der Seilbahn ausrauben, wurde uns erst danach erzählt. Und es ist natürlich auch kritisch zu hinterfragen, sich an den Wellblechhütten der Ärmsten zu ergötzen.

Auf einem der Hügel kann man aussteigen und zur Biblioteca de España gehen. Diesen spektakulären Bau hat der spanische König Juan Carlos 2007 eröffnet. Er scheint wie Zeichen der Hoffnung in einem Umfeld der Ungewissheit. Eigentlich gibt es in Kolumbien keine richtige Lesekultur, vielleicht liegt es auch an den Preisen. Ein Taschenbuch kostet hier rund 40.000 $ (~ 16 €). Deswegen übernimmt die modern und stilvoll ausgestattete Bibliothek neben dem normalen Bücherverleihen auch viele kulturelle Aufgaben. Es gibt z. B. Auditorium für Lesungen, Konzerte, Theateraufführungen sowie Kinovorstellungen oder einen Computerraum mit kostenlosem Internetzugang.

Die Fledermaus, das Klavier und ich

13 Mar

Am Anfang hatte ich viele „deutsche“ Idee, mit denen ich hier Kolumbien und irgendwie die Welt verändern wollte. Doch vieles hat sich leider oft ein wenig anders entwickelt bzw. oder ist ein wenig anders angenommen worden, als ich es mir erhofft hatte. So habe ich mir zum Beispiel relativ früh eine Gitarre gekauft und den Kindern Gitarrenunterricht gegeben. Die Freude war groß, aber dann hat der Dirigent Don Rafael,  eigentlich ein netter Mensch, es den Kindern und Jugendlichen aus dem Orchester einfach verboten, Gitarre zu lernen. Weil sie Violine lernen sollen, weil es einem Cello zu ähnlich ist, weil es kein Orchesterinstrument ist, so genau weiß ich es nicht. Jetzt gebe ich einmal in der Woche an deren Familien, Bekannten und Freunde Unterrichte, die einzige Bedingung ist, sie müssen eine Gitarre besitzen. Abends, wenn der Dirigent nicht mehr im Projekt ist, kommen die älteren Kinder zu mir und bitten mich, dass ich ihnen die Gitarre leihe, dass ich ihnen etwas auf der Gitarre zeige. So bringe ich ihnen mehr oder weniger heimlich Gitarre bei…  Auch habe ich gemerkt, dass meine Englisch- und Deutschstunden für die Kinder einfach zu viel ist. Die Kinder gehen morgens in die Schule, spielen den Nachmittag über Violine und können dann nicht noch am späten Nachmittag zusätzlich Englisch oder Deutsch lernen. Statt den Kindern gebe ich jetzt einer bunten Mischung aus Schülern, Studenten, Hausfrauen, Arbeitslosen und Eltern abends Englisch- oder Deutschunterricht, was ein wenig schwierig ist. Macht es überhaupt Sinn, deutsch zu unterrichten, wenn das englische Niveau dermaßen schlecht ist?

Eines Tages hat mich der Dirigent gefragt, ob Klavier spielen könne, um den Kindern zu geben. Ich habe sofort zugesagt und gebe den Kindern jetzt Klavierunterricht auf einem Keyboard. Quasi jedes Kind in dem Projekt möchte Klavier lernen, ich kann aber nur 10 Kindern Unterricht geben, die mich oft mit ihrem Fleiß und ihrer Begeisterung verblüffen. Jedes Kind bekommt 2 mal wöchentlich 20 Minuten Unterricht und an den anderen Tagen Übungszeit zugewiesen. Das Klavierlernen ist für die Kinder natürlich eine zusätzliche Belastung, da es nicht zu Lasten des Streichinstrumentes gehen darf. Das Arbeiten mit den Kindern auf der Ebene der Musik ist eine sehr schöne und erfüllende Arbeit.

Leider hat wohl ein Kind, es ist für mich trotz aller Armut eigentlich unvorstellbarer, unseren Internet-USB-Stick geklaut. Das ist sehr ärgerlich, sind wir doch zum organisatorischen Arbeiten sehr darauf angewiesen. Wohl auch ein wenig aus Trotz darauf ist das ganze Projekt jetzt ein strenger geworden. Wer zu spät kommt, muss länger proben, wer zu oft fehlt kann bei dem nächsten Ausflug nicht mitfahren. Bislang war (und vielleicht ist es das jetzt auch noch) das Orchester im Vergleich zu allen anderen Projekten am wenigsten streng. Die Philosophie ist in dem Orchester mehr  „Jeder macht einmal Fehler“. Disziplin macht die Arbeit natürlich leichter, aber die Liebe und die Geborgenheit, die das Orchester den Kindern gibt, darf nicht zu kurz kommen!


Auf den ersten Blick ist es das Foto einer normalen Probe, auf den zweiten Blick sieht man den gelben Eimer. Er fängt das rein tropfende Wasser auf. Wir haben in letzter Zeit einfach ein großes Problem mit dem Dach. Es regnet einfach oft rein, viele Noten sind durchs Wasser unlesbar geworden und die Räume laufen nachts mit Wasser voll.

Eine typische, morgendliche Arbeit: Ich wische das Wasser eimerweise auf, dass sich mal wieder über Nacht in den Raum mit den Instrumenten gesammelt hat.

Vieles wurde schon an dem Dach ausprobiert, geflickt, repariert, aber irgendwo regnet es verflixterweise immer rein.

Der Internationale Tag der Frauen wird hier in Kolumbien sehr ernst genommen. Man wünscht allen Frauen einen “Feliz Día” und kauft ihnen Blumen. Hier auf dem Bild ist wieder die Olympiamedalliengewinnerin aus Siloé zu sehen.

Der neuste Schrei in Kolumbien sind diese Herzketten. Es gibt sie in vielen verschiedenen, bunten Farben. Oft sind es auch ein Herz und ein Schlüssel. Man schenkt den anderen Teil der Kette einfach einer Person, die man sehr gerne hat und jeder trägt sie ab jetzt für immer. Quasi jedes Kind in dem Projekt trägt im Moment mindestens eine solche Kette

.Eine kolumbianische Fledermaus. Sie hing einfach eines Morgens an der Mauer vor dem Orchester und schlief. Auch die Kinder waren sehr begeistert, doch dann riss ein fieser Junge sie einfach herunter. Vorsichtig hob ich sie hob wieder auf, kletterte auf einen Baum und setzte sie rein.

Am Anfang hatte ich viele „deutsche“ Idee, mit denen ich hier in Kolumbien starten wollte und so irgendwie die Welt verändern. Doch vieles hat sich leider oft ein wenig anders entwickelt bzw. oder sind ein wenig anders angenommen worden, als ich es mir erhofft hatte. So habe ich mir zum Beispiel relativ früh eine Gitarre gekauft und den Kindern Gitarrenunterricht gegeben. Die Freude war groß, aber dann hat der Dirigent es den Kindern und Jugendlichen aus dem Orchester verboten, Gitarre zu lernen. Weil sie Violine lernen sollen, weil es einem Cello zu ähnlich ist, weil es kein Orchesterinstrument ist, so genau weiß ich es nicht. Jetzt gebe ich einmal in der Woche an deren Familien, Bekannten und Freunde Unterrichte, die einzige Bedingung ist, sie müssen eine Gitarre besitzen. Abends, wenn der Direktor nicht mehr im Projekt ist, kommen die älteren Kinder zu mir und bitten mich, dass ich ihnen die Gitarre leihe, dass ich ihnen etwas auf der Gitarre zeige. So bringe ich ihnen mehr oder weniger heimlich Gitarre bei…  Auch habe ich gemerkt, dass meine Englisch- und Deutschstunden für die Kinder einfach zu viel ist. Die Kinder gehen morgens in die Schule, spielen den Nachmittag über Violine und können dann nicht noch am späten Nachmittag zusätzlich Englisch oder Deutsch lernen. Statt den Kindern gebe ich jetzt einer bunten Mischung aus Schülern, Studenten, Hausfrauen, Arbeitslosen und Eltern abends Englisch- oder Deutschunterricht, was ein wenig schwierig ist. Macht es überhaupt Sinn, deutsch zu unterrichten, wenn das englische Niveau dermaßen schlecht ist?

Gastfamilie & Geburtstag

22 Feb

Ich lebe in einer Gastfamilie! Ich hatte sie mir sehr gewünscht, immer wieder angesprochen, jetzt bekommen und bin glücklich. Eine Gastfamilie ist einfach das pure Kolumbien! Hier erlebe ich Kultur, Sprache oder auch einfach nur den kolumbianischen Alltag. Der Gastvater, eigentlich sogar Gastopa, heißt Oskar und ist seit 40 Jahren professioneller Kreuzworträtselentwerfer. Die Gastmutter Lucina arbeitet für die Regierung. Sie besucht Schulen und überprüft, ob das Geld auch wirklich ankommt oder doch nur Korruptionssumpf versinkt. Einmal konnte ich sie auf die Abiturentlassungsfeier von Indiginas (Einheimischen) begleiten. Der Sohn Andrés studiert in Kuba, schreibt aber seine Abschlussarbeit von Zuhause aus. Auch der Neffe Wilson, ein professioneller Tänzer, lebt mit in der Wohnung sowie der 9 jährige Enkel Juan Jose. Zudem kommen oft Verwandte oder Freunde aus anderen Städten zu Besuch. Mittlerweile habe ich mich an das kolumbianische Familienleben gewöhnt. In der doch relativ kleinen Wohnung läuft die ganze Zeit der Fernseher auf lauter Lautstärke, die Zimmertüren lässt man außer zum Schlafen immer offen und auf Ordnung wird sehr viel Wert gelegt. Es gibt nur kaltes Wasser. So ist die kalte Dusche morgens oft in wenig Überwindung. Viel ärgerlicher ist es mit dem Waschen der Wäsche. Viele Flecken gehen nur schwer raus, von einige Lieblingskleidungsstücken musste ich mich trennen.

Generell wohnen die Bevölkerungsschichten in Kolumbien ein wenig anders, vor allem auf dem ersten Blick: Während die arme Bevölkerung in kleinen Häusern auf den Hügeln mit einem wunderschönen Panorama bzw. einfach am (oft dann leider doch sehr verdreckten) Fluss lebt, wohnt die reichere Bevölkerung in Hochhäusern. Es liegt daran, dass die Städte zu schnell gewachsen sind, weswegen es keine gute Infrastruktur auf den Hügeln gibt. Deswegen lebt die etwas reichere Bevölkerungsschicht in Hochhäusern bzw. Wohnanlagen, zu der neben dem obligatorischen, eigenen Sicherheitsdienst je nach Standard auch Swimmingpool, Sauna und Sportplätzen gehören. Ich lebe “nur” in einem einfachen Hochhaus mit Sicherheitsdienst am Fuß von Siloé.

Mein erstes Erdbeben, immerhin 4,8 auf der Richterskala, habe ich mittlerweile auch erlebt. Mitten in der Nacht riss es ich aus dem Schlaf, sodass ich am nächsten Tag nicht sicher war, ob ich es nicht nur geträumt hatte. Viele Kolumbianer haben es aber auch einfach verschlafen. Es ist wohl so, dass man ein Erdbeben auf offener Straße viel weniger spürt als in einem mehrstöckigen Haus. Viele Kinder konnten mir nicht glauben, dass ich noch nie ein Erdbeben miterlebt hatte.


Mein Geburtstag.  Erst war ich ein wenig traurig, schien doch keiner in meinem Projekt zu wissen, dass ich Geburtstag hatte. Doch als am Nachmittag die Kinder kamen, erinnerte sich wohl ein Kind daran, dass ich es ihm einmal vor langer Zeit erzählt hatte. Heimlich malten die Kinder mir Geburtstagskarten. Ich war gerade am Noten-mit-Namen-beschreiben, als ein Kind mich immer wieder bat, wegen irgendeiner Lappalie mit zu kommen. Schließlich ging ich mit ihm mit nach draußen. Dort standen alle Kinder und sagen aus voller Kehle Geburtstagslieder. Während ich mich noch sehr darüber freute, klatschen auf einmal mehrere Eier auf meinem Kopf und ich stand in einer Mehlwolke. Ein kolumbianischer Geburtstagsbrauch!

Wir haben Ende Januar an einem Samstag nach der Probe mit einer riesen Torte noch einmal alle Januargeburtstage mit den Kindern gefeiert. Jedes Kind hat eine Karte bekommen, auf der alle unterschrieben haben. Zudem verschenkte ich an alle Kinder eine kleine, aus Deutschland frisch gelieferte Gummibärchentüte. Auf diesem Foto sind zu sehen:

[in der hinteren Reihe] Carolina (eine Psychologiestudenten, die für die psychologische Betreuung der Kinder zuständig ist), Christian Camilo (Cellospieler, wohl das größte Talent im Orchester), Dora (die Leiterin des Projektes, einzige Person neben mir, die jeden Tag immer im Projekt ist, sie war vor 20 Jahren ein Jahr lang in Deutschland) [in der mittleren Reihe] Doña Ruvi (sie kocht mittags immer für mich ein Mittagsessen und ist die Reinigungskraft im Projekt), Ingrith (1. Violine) sowie Edinson (Musikstudent, er wohnt aber selber auch in Siloé) [sowie vorne] Luisa und Yoselin (2 kleine Kinder aus dem Projekt]

Der Besuch der Abiturentlassungsfeier der Indiginas: Lucina war eingeladen worden, auf der Feier zu reden. Es war ein sehr eindrucksvoller Besuch. Die Schule liegt mitten in den Bergen im nichts und ist zur Zeit der starken Regenfälle nur über diesen Baumstamm zu erreichen gewesen. Leider wurde mir während der Feier auch sehr schnell ein Ehrenplatz zugeteilt, sodass ich nicht viel mit den Schülern sprechen konnte. Stattdessen durfte ich Chicha probieren, ein alkoholisches Maisgetränk der Inkas. Es hat mir aber nicht so zugesagt.

Hoffnung für Kolumbien

4 Feb

Ich möchte spontan auf zwei Filme hinweisen, die im letzten Sommer von dem Fernsehjournalisten Uli Röhm in Cali gedreht worden sind und unter dem Titel Hoffnung für Kolumbien in den nächsten Tagen auf dem ZDFinfokanal zu sehen sind.

Die Langversion von Die weißen Häuser von Siloé, dem Viertel, in dem ich arbeite, wird an folgenden Zeiten auf ZDFinfo gezeigt :

05.02.2011 Sa 06:45:00
05.02.2011 Sa 04:45:00
05.02.2011 Sa 09:15:00
06.02.2011 So 02:45:00
07.02.2011 Mo 17:15:00
08.02.2011 Di 19:20:00
08.02.2011 Di 01:45:00
10.02.2011 Do 13:02:00

Der anderer Filmbeitrag Die Bambusschule von Montebello handelt von dem Projekt von Schule fürs Leben, meinem Endsendeverein, und wird zu folgenden Daten auf ZDFinfo ausgestrahlt:

12.02.2011 Sa 06:45:00
12.02.2011 Sa 09:15:00
12.02.2011 Sa 04:45:00
13.02.2011 So 02:45:00
14.02.2011 Mo 17:15:00
14.02.2011 Mo 03:45:00
15.02.2011 Di 19:20:00
15.02.2011 Di 01:45:00
17.02.2011 Do 13:02:00

Leider sind die Zeiten vorläufig, es kann immer noch kurzfristig zu Änderungen kommen.

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